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Überwinterungs-Logbuch 2007

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Diese Fragen haben Leserinnen und Leser gestellt:

Gibt es sehr viele unterschiede zwischen der Arktis und Anarktis?
Das kann ich leider nicht beurteilen, da ich noch nie in der Arktis war. Beide Gebiete sind zwar klimatisch ähnlich, aber trotzdem wohl sehr verschieden. Alleine in der Tierwelt gibt es grosse Unterschiede: Pinguine gibt es nur in der Antarktis und Eisbären nur in der Arktis.
Nelli, D-31592 Stolzenau, 8. Januar 2008

Wo kann ich ein wasserfestes Mini-GPS-System beziehen, wie es für die Pinguine zum Einsatz kommt?
Das weiss ich leider nicht. Auf Neumayer laufen momentan keine Projekte dieser Art.
Daniel Sch., CH-5102 Rupperswil, 3. Januar 2008

Mit grossem Interesse und ebensolcher Freude lese ich Ihre Berichte aus dem ewigen Eis. Schon lange frage ich mich: Wie heizen Sie Ihre Unterkunft? Wird im Bereich Heizen auch geforscht?

Wir nutzen die Abwärme des Dieselgenerators und arbeiten mit Wärmetauschern; jede der zwei Röhren hat ihre eigene Klimazentrale. Über die Lüftungen wird die warme Luft in jeden Raum gebracht. Geforscht wird im Bereich Heizen derzeit nicht, da sich das angewendete System sehr bewährt hat.
Elisabeth B., CH-3202 Frauenkapplen, 23. Dezember 2007

Am 22. November fing die Neumayer-Webcam junge Kaiserpinguine ein. Ist es normal, dass sich die Jungtiere so weit weg von der Kolonie aufhalten? In einem Ihrer Berichte schreiben Sie, dass die Skidoo-Fahrt bis zur Kolonie eine halbe Stunde dauert...
Es kommt ab und zu vor, dass Pinguine auf Neumayer sind. Mehrere Male hatten wir Besuch von erwachsenen Kaiser- und auch Adéliepinguinen. Die Küken nun sind bereits seit einigen Tagen hier, zuerst waren es 16 Stück, einige davon sind wieder gegangen, nur drei sind geblieben. Bisher hatten wir noch nie Besuch von Jungtieren und waren selber erstaunt, sie hier zu sehen. Sie sind allerdings einen anderen, kürzeren Weg gekommen als wir; mit dem Skidoo muss man einen ziemlich weiten Umweg (um die Spaltengebiete herum) machen.
Brigitte K., CH-8906 Bonstetten, 22. November 2007

Mich interessiert die gefühlte Kälte. Ich sitze jetzt in Deutschland bei 2,5 Grad und es fühlt sich sehr kalt an. Wie ergeht es Dir?
Wir haben aktuell eine Temperatur von -7.7° Grad und eine Windstärke von 25.6 Knoten (ungefähr 50 km/h), das ergibt eine gefühlte Temperatur von -18.6°C. Den Unterschied zwischen der gemessenen Lufttemperatur und der gefühlten Temperatur in Abhängigkeit der Windgeschwindigkeit nennt man Windchill; dieser lässt sich mit einer Formel berechnen.
Michael K., D-56288 Kastellaun, 18. November 2007

Wie kommt man an einen solchen Job? Ich habe selber gerade mit dem Geologiestudium begonnen und finde deine Arbeit sehr interessant.
Ich habe mich generell für die Antarktis interessiert und deshalb im Internet nach Forschungs-stationen gesucht. Irgendwann bin ich dann auf die Website des Alfred-Wegener-Instituts und dort auf die Stellenausschreibung gelangt. Daraufhin habe ich zahlreiche Online-Überwinterungsberichte gelesen und mich schliesslich auf die Stelle beworben.
Adrian W., CH-3294 Büren an der Aare, 27. Oktober 2007

Wie oft bekommt ihr Frischproviant? Wie lagert ihr die Nahrungsmittel gelagert? Sind im Moment überhaupt noch Frischwaren vorhanden? Wie wird die Menüplanung geführt?
Während der neunmonatigen Winterzeit kriegen wir keinen Frischproviant. Zu Beginn der Sommersaison wird mit dem ersten Flieger eine kleine Ladung an frischen Dingen eingeflogen. Die Hauptlieferung an Proviant, u.a weitere Frischwaren, erfolgt dann auf dem Seeweg, meistens mit der „Polarstern“. Ende Sommer bringt der Flieger noch eine Nachbestellung mit Frischem.
Wir haben zwei 5°C-Kontainer, in denen die Softdrinks sowie die Frischwaren gelagert wird. Von den im Februar gelieferten Kartoffeln haben wir immer noch einen Sack, die sind auch noch gut verwertbar. Eier sind auch noch da, allerdings nicht mehr sehr viele. Es ist schon ein komisches Gefühl, neun Monate alte Eier zu essen, aber sie schmecken ganz prima. Ausserdem verwenden wir noch gefrorenes Vollei aus dem Tetrapak.
Die trockene Luft auf Neumayer lässt die Nahrungsmittel eher austrocknen als faulen: Der letzte frische Kohlkopf, den wir im August gegessen haben, war beispielsweise aussen eingetrocknet, aber innen noch sehr gut.
Die Menüplanung ist einfach: Koch Mike kocht nach Lust und Laune, und wenn irgendwas aus ist, gibts halt was anderes. Die Grundnahrungsmittel sind aber in genügenden Mengen vorhanden.
Walter V., CH-2554 Meinisberg, 17. Oktober 2007

Gibt es innerhalb und ausserhalb der Station Spuren von Mikroorganismen wie z.B. Cyanobakterien oder Schimmelpilze?

Wir haben keine Spuren von Mikroorganismen ausfindig machen können, wobei auf Neumayer auch keine Forschung in dieser Richtung betrieben wird.
Thomas H., CH-8006 Zürich, 13. Oktober 2007

Betreffend des Waschens mit destilliertem Wasser: Hat man schon mal ausprobiert, was die Zugabe von Kochsalz bewirkt bzw. wieviel Salz (g/L) ergibt einen guten Wascheffekt?
Unser Trink- und Gebrauchswasser gewinnen wir aus Schnee und es wird nicht aufmineralisiert.
Thomas H., CH-8006 Zürich, 13. Oktober 2007

Haben Sie schon mal einen Eissturm erlebt? Kann das Team dann Aussenarbeiten durchführen?
Wir haben schon mehrere Stürme erlebt – bei den stärksten wehte der Wind mit rund 60-70 kn und die Schneedrift war sehr stark. Die Stürme dauern meist drei bis vier Tage und andere Aussenarbeiten als das Auffüllen der nahe gelegenen Schneeschmelze (zur Trinkwassergewinnung) sind dann nicht möglich. Den 30 Meter langen Weg zur Schneeschmelze muss man – um die Orientierung zu behalten – unbedingt mit Seilsicherung zurücklegen, denn durch den vom Wind aufgewirbelten Schnee sind manchmal nicht mal mehr die eigenen Füsse zu erkennen. Hinzu kommt, dass die Brillen beschlagen oder sich mit Schnee füllen. Bislang konnten wir an einem oder zwei Tagen überhaupt nicht nach draussen – da musste halt Wasser gespart, aufs Duschen und Wäschewaschen verzichtet werden…
Heinz M., CH-8636 Wald, 12. Oktober 2007

Wie waren die Lichtverhältnisse während der Polarnacht?
In der Polarnacht herrschte stets leichtes Dämmerlicht. Wir konnten somit alle Aussenarbeiten gut erledigen – manchmal montierten wir eine Stirnlampe oder nutzen das Licht der draussen montierten Scheinwerfer. Bei bedecktem Himmel oder während eines Sturms war es dann schon ziemlich dunkel, aber dies bereitete uns keine Probleme.
Heinz M., CH-8636 Wald, 12. Oktober 2007

Was passiert, wenn jemand aus dem Überwinterungsteam krank wird (z.B. Blinddarm)?
Auf Neumayer gibt es ein gut ausgerüstetes Hospital und einen Arzt – Karlheinz Waltner –, der zugleich Stationsleiter ist. Zusätzlich sind zwei von uns Üwis während zwei Wochen im Klinikum Bremerhaven ausgebildet worden, um Karlheinz im Notfall assistieren zu können. Die häufigsten Erkrankungen, die es in den letzten Jahren hier gab, waren: Zahnprobleme, kleinere Schnittverletzungen, Rückenprobleme und auch Blinddarmerkrankungen – all das können wir vor Ort behandeln.
Olaf W., Patagonien/Chile, 8. Oktober 2007

Wie sieht es aus mit dem Essen? Wieviele Kalorien müsst ihr täglich einnehmen? Ich habe gehört, die Verteilung liegt bei 30% zum Frühstück, 50% über den Tag verteilt und 20% zum Abendbrot, stimmt das?
Wir müssen nicht wesentlich mehr an Kalorien aufnehmen als im «normalen» Leben. Die Verteilung über den Tag spielt auch keine Rolle. Wir essen drei Mahlzeiten täglich, wobei einige von uns zum Frühstück bloss was trinken.
Olaf W., Patagonien/Chile, 8. Oktober 2007

Was geschieht mit dem Abwasser auf Neumayer?
Auf Neumayer gibt es seit 1997 eine vollbiologische Kläranlage, die unsere Abwässer reinigt. Der Klärschlamm wird regelmässig nach Deutschland transportiert und dort entsorgt. Das gereinigte Wasser wird über eine beheizte Leitung unterirdisch nach draussen geführt und gefriert dort zu Eis.
Walter V., CH-2554 Meinisberg, 9. September 2007

Auf Forschungsstationen wie Neumayer fallen sicher jede Menge und alle möglichen Arten von Abfällen an. Wie verläuft die Entsorgung? Haben Sie auch mit toxischen Abfällen zu tun?
Wir sammeln und entsorgen Abfälle systematisch getrennt. Glas, Plastik und Blech wird gerschreddert, Hausmüll gepresst, Essensreste in luftdicht verschliessbare Plastikeimer verpackt, Pappe und Papier separat verstaut. Wir lagern alles in Containern, die im Sommer mit dem Pistenbully zur Schelfeiskante gezogen und von dort mit dem Schiff nach Deutschland oder Südafrika gebracht werden. Es gibt auch einige toxische Abfälle: einerseits Chemikalien, die im Fachbereich Luftchemie zur Verwendung kommen, andererseits Öle und Fette, die die Techniker für die Maschinen und Fahrzeuge benötigen. Auch diese Abfälle werden getrennt gesammelt und nach Deutschland transportiert.
Hans A., LI-9496 Balzers, 20. August 2007

Ich war im Januar 2007 mit der MS Rotterdam unterwegs zu den Süd-Shetland-Inseln und der Antarktischen Halbinsel. Die Natur hat mich einfach umgehauen. Sie hat mich sogar innerlich verändert und zu neuem Bewustsein angeregt. Ich schicke euch ein paar Sonnenstrahlen und liebliche Regentropfen in die Finsternis - und gratuliere zu eurem Abenteuergeist!
Vielen Dank für die Sonnenstrahlen und den Sommerregen. Bei uns ist es jetzt bereits wieder während fünf Stunden hell. Bald muss man schon wieder eine Sonnenbrille aufsetzen und Sonnencreme ins Gesicht schmieren. Regen ist allerdings etwas Fremdes geworden, umso schöner, wenn wir ihn dann in gut 6 Monaten wieder auf unserer Haut zu spüren bekommen!
Rita S., CH-6018 Buttisholz, 13. August 2007

Wie wird Neumayer mit Energie versorgt?
Drei Dieselgeneratoren produzieren unseren Strom. Im Winter ist nur einer in Betrieb, im Sommer zwei – und einer dient als Notversorgung. Sie liefern 100 kW, dies reicht für die Anlagen in der Station (Heizung, Küche, Schneeschmelze, Lebensmittelcontainer) und für die wissenschaftlichen Bereiche (Messgeräte, Funkstrecken zu den Observatorien). Zusätzlich haben wir noch einen Windgenerator – liebevoll Windwilli genannt – der ca. 5% des Bedarfs erzeugt.
Elisabeth B., CH-3202 Frauenkappelen, 12. August 2007

Immer mehr Kreuzfahrtschiffe besuchen die Antarktis (ich war vor 2 1/2 Jahren auch dort, wohl die schönste Reise meines Lebens!). Ist dies nicht eine Gefahr für das fragile Ökosystem?
Tatsächlich ist jedes Schiff ein Eingriff in den antarktischen Lebensraum – egal, ob es nun mit Touristen oder Wissenschaftlern unterwegs ist. Gemäss dem internationalen Antarktis-Vertrag (seit 1961 in Kraft) und seinen Folgeabkommen müssen jedoch alle Schiffe, die die antarktischen Gewässer ansteuern wollen, eine offizielle Genehmigung beantragen. So wird sichergestellt, dass keine Gefahrengüter transportiert werden und auch keine untauglichen Schiffe unterwegs sind. Die boomende Nachfrage nach Reisen in die bis vor einigen Jahren noch praktisch unberührte Heimat der Kaiserpinguine ist für die Tourismusbranche eine Herausforderung und stellt sie – wie jede/n einzelne/n Reisende/n übrigens auch! – vor eine grosse Verantwortung: Bei Buchungen von Antarktisreisen ist darauf zu achten, dass der Veranstalter der IAATO (International Association of Antarctic Tour Operators) angeschlossen ist und somit die Leitlinien für einen möglichst nachhaltigen Tourismus innerhalb der antarktischen Gewässer befolgt. Auf der
Website der Non-Profit-Organisation Myclimate kann der Klimaeffekt einer jeden Reise berechnet und kompensierend in die Realisierung von Klimaschutzprojekten investiert werden.
Christine T., CH-4102 Binningen, 10. August 2007

Ich habe dein Logbuch mit Interesse gelesen und bin sehr beeindruckt, herzlichen Dank! Die von dir beschriebene Landschaft und die andern Umstände deines Aufenthalts lösen bei mir spirituelle Assoziationen aus, hast du selber auch mal so ähnlich empfunden?
In gewissen Momenten überkommt mich tatsächlich ein vielleicht nicht gerade spirituelles, aber doch sehr spezielles Gefühl. Insbesondere wenn ich draussen bin und beispielsweise für die regelmässig durchgeführten Messungen zum Magnetik-Observatorium spaziere. Die überwältigendsten Eindrücke bisher waren wohl die Dämmerungen während der Polarnacht, manchmal bin unterwegs einfach stehen geblieben, um die Stimmung zu geniessen. Ansonsten, glaube ich zumindest, ist es für uns hier nicht anders als sonstwo: Wir haben uns sehr schnell an die Umgebung gewöhnt – was sie jedoch nicht unspektakulärer werden lässt – und wir müssen uns immer wieder richtiggehend bewusst machen, wo wir eigentlich sind und wie einmalig etwa unsere Arbeitswege sind. Gerade dieses Gefühl, hier wirklich – wenn auch nur für eine kurze Zeit – zuhause zu sein, ist sehr schön und auch sehr kostbar.
Dominik S., CH-4123 Allschwil, 9. August 2007

Wie kalt kann es auf Neumayer werden?
Die tiefste hier gemessene Temperatur beträgt -48.1 Grad. Unser Rekord liegt derzeit bei -44 Grad.
Manuela E., CH-8005 Zürich, 17. Juli 2007

Gibt es etwas, das du auf Neumayer speziell vermisst?
Vor allem Salat, meine Leibspeise! Unser Frischwarenvorrat ist schon lange zuneige gegangen.
Horst D., D-13591 Berlin, 2. Juli 2007

Bereust du manchmal, dich auf das „Abenteuer Neumayer“ eingelassen zu haben?
Bis jetzt habe ich meinen Entscheid noch keine Sekunde bereut, obwohl – oder gerade weil – einen das Leben in einer Polarstation wirklich jeden Tag aufs Neue herausfordert.
Vera J., CH-4054 Basel, 17. Juni 2007

Was sind Deine Aufgaben auf Neumayer?
Meine Kollegin Nora Graser und ich betreuen die Gebiete Seismik, Magnetik und Infraschall. Wir werten täglich die Daten von vier Seismometern aus und übermitteln die Ergebnisse an die internationalen Erdbebendienste. Ausserdem vermessen wir alle zwei bis drei Tage das Erdmagnetfeld und betreuen die Infraschallanlage, die allfällige Detonationen nuklearer Sprengkörper registriert und so die Einhaltung des internationalen Atomteststoppabkommens überprüft.
Markus A., D-71384 Weinstadt, 29. Mai 2007

Wie lange dauert bei euch die Polarnacht?
Vom 24. Mai bis zum 20 Juli.
Nathan M., CH-5304 Endingen, 17. Mai 2007

Wieso hast du dich als Überwintererin beworben? Ist ja nicht gerade ein alltäglicher Job…
Ich habe Geologie studiert an der Universität Bern, und während mehrerer Semesterferien in der Mönchsjochhütte auf 3650 m.ü.M. gelebt und gearbeitet. Berge, Natur und Alpinsport interessieren mich seit jeher. Im Sommer 2005 habe ich mich erstmals über Arbeitsmöglichkeiten in der Antarktis informiert und stiess auf die Stellenausschreibung des Alfred-Wegener-Instituts (AWI), das Neumayer betreibt. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich mich mit dem Gedanken angefreundet hatte, ganze 15 Monate getrennt zu sein von meiner Familie, meinen Freundinnen und Freunden. Nach reiflicher Überlegung – ganz knapp vor Einsendeschluss – habe ich meine Bewerbung schliesslich eingereicht...
Louis S., CH-8953 Dietikon, 10. Mai 2007