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Die Besatzung der «Polarstern» bei der Bergung der verlassenen Station «Nordpol-32»


«Nordpol-32» war in den letzten Jahren die einzige Arktisstation, die auf einer Eisscholle im arktischen Ozean driftete. Sie wurde Ende April 2003 vom Expedition Center for Arctic and Antarctica in Moskau aufgebaut. Das AARI in St. Petersburg zeichnete sich für das Forschungsprogramm verantwortlich. Am 4. März 2004 geriet die Station auf der Eisscholle in Seenot, gut 150 Kilometer vom Nordpol entfernt. Eis begann abzubrechen, Packeis schob sich über die Scholle und drückte sie unter Wasser. 16 Baracken und Container versanken in der See, während zwölf Männer und zwei Hunde auf Hilfe warteten. Gerettet wurden sie am 6. März 2004 von einem Mi-8 Helikopter, doch den grössten Teil ihrer Ausrüstung mussten sie auf der Eisscholle zurücklassen. Zehn Monate lang war die Arbeit erfolgreich verlaufen. Zwei Monate vor dem geplanten Abbau der Arktisstation musste das Forschungsprogramm aufgegeben werden.

Pressemitteilungen

Russische Forscher auf schmelzendem Eis gefangen
Moskau - 6. März 2004
Drama am Nordpol: Zwölf russische Forscher harren seit Tagen auf einer schmelzenden Eisscholle aus. Die Männer haben kaum noch Verpflegung, und gegen die Temperaturen, die zurzeit auf minus 32 Grad gefallen sind, schützen sie nur noch zwei kleine Unterstände und eine Heizung. Alles andere ist im Meer versunken!
Vor den Augen der Russen hatten sich Naturkräfte unvorstellbaren Ausmasses aufgetan. Vladimir Kosjelev, Leiter der Expedition «Nordpol-32»: «Es entstand plötzlich eine enorme Wand aus Eis. Erst war sie nur drei Meter hoch, dann wuchs sie auf sieben bis zehn Meter an.» Schliesslich entstand ein Riss auf der Treibeisscholle. Häuser, Heizmaterial, Verpflegung und Ausrüstung versanken im Meer. «Innerhalb von eineinhalb Stunden waren 90 Prozent der Basis verschwunden.» Odd Olsen Ingeræ, der norwegische Gouverneur des 700 Kilometer südlich gelegenen Spitzbergen, hat der russischen Expedition jede erdenkliche Hilfe versprochen. Die Rettungsaktion kann deshalb von Longyarbyen auf Spitzbergen aus geleitet werden. «Die Verantwortlichen in Russland haben uns mitgeteilt, dass sie selbst genug Material haben, aber dass sie gern eine Basis für die Aktion auf Spitzbergen hätten. Wir helfen natürlich. Auch im Krankenhaus ist alles vorbereitet.» Ein russischer Mi-26-Hubschrauber soll deshalb am heutigen Sonnabend zur Eisscholle fliegen und die Wissenschaftler bergen. Der Flug von Longyarbyen bis zu den Russen wird schätzungsweise sechs Stunden dauern - wenn das Wetter mitspielt. Da das Eis zum Landen nicht stabil genug ist, muss jeder einzelne mit einer Seilwinde an Bord gehievt werden.
Die Forschungsbasis hatte sich seit April 2003 auf der Treibeisscholle befunden. Die Wissenschaftler untersuchten die Klimaveränderungen und hatten dabei auf der Eisscholle 2750 Kilometer zurückgelegt.

Arktis-Forscher mit Hubschraubern von abgebrochener Eisscholle gerettet
Oslo – 7. März 2004
Mit zwei Hubschraubern wurden gestern zwölf Arktis-Forscher und zwei Hunde von einer abgebrochenen Eisscholle gerettet. Diese Aktion fand 600 Kilometer vom Nordpol entfernt statt.
Die Wissenschaftler mussten sich vier Tage über Wasser halten, bevor sie von einem Hubschrauber gerettet wurden, der 700 Kilometer entfernt von der norwegischen Insel Spitzbergen gestartet war.
Das Überleben auf der Eisscholle war dadurch gesichert, dass im übrig gebliebenen Teil der Forschungsstation «Nordpol 32» Heizung, Essen und Schlafplätze noch funktionierten bzw. vorhanden waren. Die Station wurde erst im April 2003 in Betrieb genommen.


Fotos: AWI - Alfred Wegener Institut, Bremerhaven


Deutsches Forschungsschiff «Polarstern» hat verlassene russische Station geborgen
Das deutsche Forschungsschiff Polarstern entdeckte am frühen Morgen des 16. August 2004 bei 82 Grad Nord auf einer Eisscholle die Überreste der russischen Arktisstation «Nordpol-32». Der Forschungseisbrecher befindet sich derzeit auf seiner zwanzigsten Arktisexpedition. Seit dem 16. Juli führt ein internationales Team von Wissenschaftlern im Rahmen internationaler Forschungsprogramme an Bord Luftmessungen durch, erhebt Daten im Meer und vom Meereis und sammelt Gesteinsproben vom Meeresboden.

Die Reste der driftenden Eisstation bestanden aus drei mehr oder weniger intakte Baracken, zwei beschädigten Baracken, einem Zelt , zwei Traktoren, drei grösseren Treibstoffdepots mit 304 Fässern, Schlafsäcken, Netzen und anderem Material. In einer der Baracken wurde ein Kalender mit dem 6. März als letztem Eintragsdatum gefunden. Zwei Drittel der Fässer in den Depots waren leer. 90 Prozent der noch gefüllten Fässer enthielten Diesel, der Rest Rückstände von Benzin, Öl und Kerosin.

Fahrtleiter Prof. Dr. Peter Lemke und Kapitän Udo Domke hielten eine Bergung für möglich. Nach Berücksichtigung aller Umstände und angesichts drohender Umweltschädigungen entschied das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven das Forschungsprogramm zu unterbrechen und die Reste der Station zu bergen. Das russische Institut für Antarktis- und Arktisforschung (AARI) in St. Petersburg wurde umgehend informiert. Ebenso die zuständige grönländische Behörde, da sich die Station zurzeit in oder nahe grönländischem Gewässer befindet. Beide Einrichtungen stimmten der Bergung zu.

Die Bergung startete am 18. August um 6:12 Uhr (UTC). Dichter Nebel behinderte die Navigation zur Eisscholle. Als sich der Nebel mittags lichtete, ging die «Polarstern» längsseits und setzte Crewmitglieder und Wissenschaftler auf der Eisscholle ab. Mithilfe eines Helikopters sammelten sie das Material ein und luden es an Bord. Vorrangig wurden die Treibstofffässer und der Abfall geborgen. Schliesslich wurden die beiden Traktoren mit dem Kran an Bord gehoben.
Die Operation war am 19. August um 1:00 Uhr abgeschlossen. Alles umweltschädliche Material konnte entfernt werden. Lediglich Überreste der Baracken, die im Eis eingefroren waren, blieben auf der Scholle. Diese Aktion des Forschungsschiffs «Polarstern» war das letzte Kapitel in der Geschichte der treibenden Arktisstation «Nordpol-32». Nach 24 Stunden nahmen die Wissenschaftler zwanzig Seemeilen westlich ihre Forschungsarbeiten wieder auf.