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Drifteisstation lautet eine von der Sowjetunion entwickelte Methode, die Arktis zu erforschen, bei der Forschungsstationen auf driftenden Eisschollen abgesetzt werden. Die erste Eisdriftstation war «Nordpol-1» (russisch: Sewerny Poljus, abgekürzt: SP) unter Leitung von Iwan Papanin, die am 21. Mai 1937 in der Nähe des Nordpols eingerichtet wurde. Sie driftete in 274 Tagen 2500 Kilometer weit in die Grönlandsee.
Der Zweite Weltkrieg verhinderte zunächst eine weitere Unternehmung. Erst im April 1950 wurde «Nordpol-2» unter Michail Somow nordwestlich der Wrangelinsel auf 76° 02' Nord, 166° 48' West abgesetzt. Nach mehr als einem Jahr wurde die Station am 11. April 1951 bei 81° 45' Nord, 167° 48' West geschlossen. In dieser Zeit war «Nordpol-2» 2600 Kilometer weit gedriftet. 1953 nahmen gleich zwei Stationen gleichzeitig ihre Arbeit auf, und seitdem wurde das Forschungsprogramm bis zum Juli 1991 ununterbrochen weitergeführt, sodass auch Langzeitbeobachtungen möglich waren. Insgesamt waren von 1937 bis 1991 31 sowjetische Eisdriftstationen in der Arktis unterwegs. 40.000 mal wurden Radiosonden gestartet, an 50.000 Stellen Tiefenmessungen vorgenommen.
Das Forschungsprogramm konnte nachweisen, dass es in der Arktis zwei Hauptströmungen der Eisdrift gibt. Die Transpolardrift führt von Sibirien nach Grönland, der Beaufortwirbel dreht sich von oben gesehen im Uhrzeigersinn vor den Nordküsten Grönlands, Kanadas und Alaskas. Die meisten Eisdriftstationen bewegten sich im Gebiet der Transpolardrift und mussten nach zwei bis drei Jahren abgebrochen werden. Fünf Stationen arbeiteten dagegen im Beaufortwirbel und wurden in der Regel nach einer Rundfahrt beendet. Nur «Nordpol-12» arbeitete nach der Schliessung mit einer vollautomatischen Wetterstation weiter, während die Position mit Funkpeilungen bestimmt wurde. Die Ergebnisse flossen unter anderem 1980 in den «Atlas des Nordpolarmeeres» und 1985 in den «Atlas der Arktis» ein. Die insgesamt 200.000 Wetterbeobachtungen wurden vom sowjetischen und internationalen Wetterdienst genutzt.
Einen einzigartigen Rekord hält «Nordpol-22» mit einer Lebensdauer von neun Jahren. Sie wurde am 13. September 1973 bei 76° 16' Nord, 168° 31' West begonnen und legte eine Strecke von 17.069 Kilometern zunächst durch die an Kanada und Alaska angrenzende Arktis und dann mit der Transpolardrift über den Nordpol Richtung Fram-Strasse zurück. Sie wurde am 8. April 1982 bei 86° 10' Nord, 00° 00' geschlossen.
Die Eisdriftstationen wurden normalerweise mit Flugzeugen abgesetzt, erst ab 1961 wurden dafür auch Eisbrecher eingesetzt. Zuletzt umfasste eine typische Station ein Dutzend Fertighäuser sowie ein Dutzend Zelte, die Platz für 15 bis 17 Personen boten. Die Häuser wurden zugleich als Wohnraum und wissenschaftliche Laboratorien genutzt. Ihr Fundament bestand aus Kufen, sodass ein Haus auch aus dem Gefahrenbereich von Eisspalten bewegt werden konnte. Zu einer Station gehörte ausserdem ein Speisesaal, Küche, Krankenstation, Funkraum, Dieselgenerator, ein Dampfbad, Garagen und Proviantlager. Für den Notfall wurden um die Station herum Notdepots eingerichtet.
Immer wieder kam es zu Zwischenfällen durch Eisbruch, weswegen Eisdriftstationen evakuiert werden mussten. Die Mannschaft von «Nordpol-9» zog innerhalb von elf Monaten neun Mal mit dem gesamten Lager um. Die Eisdriftstation «Nordpol-14» stiess sogar am 27. Januar 1966 mit der Jeannette-Insel zusammen, wobei die Eisscholle in zwei Stücke zerbrach.
Die Forschungstätigkeit dauerte bis 1991 an, als die Station «Nordpol-31» aufgelöst wurde. Im Zeitraum von 1937 bis 1991 hatten 88 Polarteams die Eisschollen belegt und insgesamt 29.726 Tage im Ozean treibend verbracht, während sie eine Gesamtstrecke von 169.654 Km zurücklegten.
Heutzutage können Eisbrecher jedes beliebige Gebiet der Arktis erreichen, wobei die Forscher bequem von Bord aus arbeiten können. Andererseits beeinflusst das Eis als natürliche Grundlage die Ergebnis der wissenschaftlichen Arbeiten weniger als ein Schiff, sodass die von Eisdriftstationen gewonnenen Daten zuverlässiger sind. Nach 12-jähriger Pause hat im Frühjahr 2003 Russland die Station «Nordpol-32» eingerichtet und die Tradition der Eisdriftstationen wieder aufgenommen.
Eine Abwandlung dieser Technik besteht darin, ein Schiff mit einem runden Rumpf im Eis so einfrieren zu lassen, dass der Schiffskörper vom Eis angehoben wird und auf dem Eis zu liegen kommt. Diese Technik ist zuerst von Fridtjof Nansen 1893 bei seinem Versuch, den Nordpol zu erreichen, verwendet worden.