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Guglielmo Marconi

Amateur Radio von Pol zu Pol.

In den Pioniertagen der drahtlosen Kommunikation zählten Verbindungen mit beweglichen Funkstationen keineswegs zu den Ausnahmen. Guglielmo Marconi lag im Clinch mit den Betreibern der Telegraphenleitungen, sie verzögerten und verteuerten die Zustellung transozeanisch übermittelter Marconigramme auf der letzten Wegstrecke, auf dem Landweg. Lange Zeit sorgten die Schiffsfunkstellen für den Grossteil des Nachrichtenaufkommens mit den kontinentalen Endpunkten des Marconi-Reiches in Grossbritanien und Canada. Da war es nur allzu verständlich, dass bald auch die junge Amateurfunk- Technik mobil mitmischte. Die Teilnahme an Expeditionen aller Art bot sich geradezu an.

Schoner Bowdoin


Mac Millan funkt aus der Arktis

1923 hatte Kapitän Donald B. Mac Millan bereits acht Reisen nördlich des Polarkreises hinter sich, und fürchtete nichts so sehr wie die Isolation. «Sie hat viele Expeditionen in die Katastrophe geführt». Ob Amateurfunk das Problem lösen könne, wollte er wissen. Als am 23 Juni 1923 der Schoner Bowdoin aus Wiscasset, Main zur Mac Millan Arctic Expedtion auslief, gehörte zu den sieben Männern der Mannschaft auch ein «Funkoffizier» Donald H. Mix. Donald besorgte den Expeditions- Verkehr, belieferte die Zeitung Alliance wöchentlich mit 500 Wörtern Journalismus und führte in seiner Freizeit Verbindungen und übermittelte regelmässig Listen mit den Rufzeichen der von ihm gehörten Stationen. Erst nach 2 Monaten gelang dem Schiff den Durchbruch über die Baffin Bay nach Cape Sabine. Der Jahreswechsel kam, das Schiff trieb im Packeis. US-President Coolidge übermittelte per Funk Weihnachtsgrüsse. Die 200 m- Station hatte sich bewährt, trotz aller Störungen durch das Nordlicht und die sommerliche Statik. Als die Bowdoin am 20. September wieder in den Hafen einlief, musste Donald Mix eine für ihn schmerzliche Erfahrung machen: Funkverkehr auf 200 m war obsolent geworden; die Kurzwelle überbrückte nunmehr mühelos transozeanische Distanzen. Immerhin sollte Kapitän Mac Millan mit seiner Prophezeihung recht behalten, in Hinkunft werde es keine Expedition mehr ohne Funk geben.

John Reinartz

Keine Expedition verzichtet auf Amateurfunk.

Die Wireless North Pole segelte noch einmal los: 1925 nahm Mac Millan Leutnant John Reinartz mit an Bord, den Mann „ der neue und gigantisch verbesserte Schaltungen rascher entwickelte als die Funkamateure Zeit hatten, die Vorgängerversion nachzubauen. Diesmal nahm Mac Millan neben der Bowdoin auch die Peary mit. Funker Paul J. McGee diente dort unter dem Rufzeichen WAP, keinem geringeren Kapitän als Richard E. Byrd.



Ernst Krenkel und Howard Mason brechen Weltrekord

Später sollte Ernst Krenkel als RAEM Weltruhm erlangen: 1934, als er nach dem Untergang des Eisbrechers Tscheljuskin mit 104 anderen Opfern zwei Monate lang auf einer Eisscholle trieb, hielt er mittels einer improvisierten Funkstation Kontakt mit der Aussenwelt und leitete die Rettungsoperation. Es sollte nicht die einzige Heldentat des legendären Arktis-Fans bleiben. Wenig bekannt ist aber, dass der damals 27 jährige Funkoffizier Ernst Krenkel 1930 einer der beiden Partner bei einem Funk- Weltrekord der besonderen Art war, der- allein aus geographischen Gründen- nicht mehr überboten werden konnte:

Ernst Krenkel

1929 stellte Otto Yulievich Schmidt ein Expeditionsteam zusammen, das auf Franz- Joseph- Land die nördlichste Funkstation der Welt errichten sollte, und Krenkel, zur Zeit Landratte wider Willen, meldete sich sofort für den Einsatz. Die Sedow unter Kapitän V. I. Voronin brachte die Mannschaft an ihren Einsatzort, und im Verlauf des Winters wurden Krenkel und Schmidt Freunde fürs Leben.
Am 12. Januar 1930 traf Krenkel einen gewissen Howard Mason auf dem Band und er beschreibt diese Begegnung in seiner Autobiographie so: Nach meiner üblichen Funktätigkeit rief ich CQ und bat um Antwort auf 42m. Gleich darauf hatte ich im Kopfhörer ein Rufzeichen, und jemand fragte mich in Englisch nach meinem Standort. Die Angabe, ich sei auf Franz- Joseph-Land auf einer sowjetischen Station, hatte einen unerwarteten Effekt. «Mein lieber Freund», sagte die Stimme, mir scheint, wir haben soeben einen Weltrekord gebrochen. Du sprichst mit der Basis von Admiral Byrds Antarktis- Expedition. Ich erzählte, dass bei uns die Polarnacht herrsche, dass es kalt sei, und dass wir eine Gruppe von sieben Ueberwinterern seien. Die Gegenstation sagte, sie hätten Polartag, und es sei bewölkt bei zwei Grad plus. Sie seien zweiundvierzig Personen und wollten demnächst zum Südpol fliegen. Wir unterhielten uns, erst in Englisch, dann in Deutsch, gut eineinhalb Stunden- und am nächsten Tag wieder eine Stunde. Obwohl ich nur 250W Sendeleistung hatte und die Amerikaner 700W, war die Verbindung ausgezeichnet. Leider konnte ich trotz vieler Versuche keine weiteren Kontakte zur Byrd- Expedition herstellen.

Richard E. Byrd

Byrd hatte sich bereits nach seiner ersten, zuvor erwähnten, Expedition prinzipiell der Unterstützung durch Funk verschrieben. Im April 1926 nahmen an seiner Spitzbergen- Expedition zwei Navy- Funker teil, Lloyd H. Grenlie und George H. James. Sie operierten sowohl von der S.S. Chantier als auch an Bord mitgeführten dreimotorigen Fokker, die (was freilich angezweifelt wird) erstmals den Nordpol überflog. Byrds erste Antarktis- Expedition begann im Sommer 1928. Spektakulärer Höhepunkt: der Flug zum Südpol, 1929. Fünf Funker gehörten zur Mannschaft der beiden Schiffe, der S.S. Eleanor Bolling und der S.S. City of New York: Malolm P. Hansen, Carl Petersen, Lloyd V. Berkner, Lloyd Grenlie und der bereits bewährte Howard F. Mawson. Später stiess der Neuseeländer Neville Shrimpton zum Team, dem man acht Lizenzen und sechs Fixfrequenzen zugeteilt hatte. Zwei Millionen Wörter wurden zwischen der Expedition und den Relais der AARL (Amerika –Amateur-Radio-Liga) vermittelt. Täglich hörte man die Rundfunkstationen KDKA und WGY und erhielt über Funk ein speziell von der New York Times zusammengestelltes Nachrichten- Bulletin. Bei der zweiten Antarktis –Expedition Byrds, 1933- 36, war Amateurfunk bereits Routine. Auch an der dritten und vierten Expedition, 1939-41 bezw. 1946/47, nahmen Funkamateure teil. Die Morrissey, das legendäre Funkschiff neben der wiederholt erwähnten Bowdoin diente der Schoner Effie M. Morrissey mehr als ein Jahrzehnt als Schiff für Polarmeer-Expeditionen.

Kapitän Robert Barlett

1926 kommandierte Kapitän Robert Bartlett das Schiff bei der American Museum Greenland Expedition. Funker war Edward Manley, das Rufzeichen der Station war VOQ. 1927 war Edward Manley wieder mit von der Partie, als die Morrissey die Putnam Baffin Island Expedition transportierte. –1931 finden wir das Schiff unter dem neuen Rufzeichen VOQH unterwegs mit der Bartlett- Norcron- Expedition nach Island und Grönland. Funker ist wieder Paul C. Oscanyn,--1933 löst Robert Moe aus Brooklyn (W2UN) die bisherigen Funker ab und nimmt an der Bartlett Northwestern Greenland- Expedition teil. 1934 ist er abermals bei einer Nordlandfahrt dabei. Im Juni 1935 meldet sich Julius Ross, (W2KJ) , als Operator von WHFZ und W10XFP. Die Route

Funker Paul C. Oscanyn

führt unter dem Kommando von «Bob» Bartlett von Brigus, Neufundland, via Turnavik, Labrador , über die Davis-Strasse nach Disco Island auf Grönland. Die letzte Spur zur Morrissey führt nach unseren gegenwärtigen Wissenstand zu einer weiteren Arktis-Expedition von Kapitän Bertlett im Juni 1936.









Weiterführende Literatur: Erste Expedition Mac Millan: „ To see the Unknown in the Arctic“, in : National Geographic, Juni 1925, „ The Mac Millan Arctic Expedition returns“, in: National Geographic, Nov. 1925, Admiral Byrds Expedition 1928/29: „The Conquest of Antarctica by Air“ , in: National Geographic, August 1930.

Zusammengestellt von: Manfred Eisel, HB9DAX

Nach einem Originalbeitrag im Dokumentationsarchiv Funk, Wien
Link:
www.dokufunk.org